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#61 Beitrag von Schwejk » Fr 21. Aug 2026, 17:04

Ich denke, wir haben es hier mit einer Diskussion zu tun, die sich auf unterschiedlichen Ebenen bewegt:

„Kränkung“ ist ein in der abendländischen Geistesgeschichte etablierter Topos, der die Illusion eines sich als
zentristisch, autonom, selbstmächtig, definierenden Subjekts, Geistes, Bewußtseins erschüttert.

Nach den drei kurz skizzierten historischen Demütigungen des Subjekts (Kopernikanische Wende, darwinistische Abstammungslehre, Freudsche Psychoanalyse, nach der das Ich nicht Herr im eigenen Hause, sondern abhängig ist von Impulsen seines Unbewußten), faßt Safranski (nicht unüblicherweise) das kritisch betrachtete Potential der KI zur „vierten Kränkung“ zusammen, indem das denkende Subjekt aus seiner sich selbst zugeschriebenen autonomen/monopolistischen Geistesstellung herausgerückt wird.

Genaugenommen müßte man, einer gängigen Diskussion und „Zählweise“ folgend, sogar von einer „fünften Kränkung“ sprechen, indem den Erkenntnissen aus strukturalistischen Ansätzen Rechnung getragen wird, die auf die Formung das menschlichen Denkens und Handelns durch übermächtige Strukturen (Sprachsysteme (z.B. syntaktische Tiefenstrukturen), Symbole, Macht, Verhältnisse) wesentlich einwirken, so daß das Subjekt als Stifter allen Sinns oder von der Einheit des Wahren, Guten und Schönen analytisch nicht mehr haltbar ist.

Klassisch geradezu hier der häufig zitierte Schlußsatz Foucaults („Die Ordnung der Dinge“), der das Ende des traditionellen Menschenbildes eines autonomen Individuums in ein Bild faßt:
„Der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“.
Wer glücklich ist, bedarf nicht der Bosheit (Horkheimer).
Wer denkt, ist nicht wütend (Adorno).
Die Hölle, das sind die anderen (Sartre).
Der freie Marx hegelt das (SJ).

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Re: Buchempfehlungen

#62 Beitrag von Zubitoni » Fr 21. Aug 2026, 18:00

Ich merke schon, dass die denkebene wohl nix für mich ist, wenn ich statt der kränkung eher stolz erwarten würde.
Eine Meinung.

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Re: Buchempfehlungen

#63 Beitrag von Theo » Fr 21. Aug 2026, 21:32

Schwejk hat geschrieben: Fr 21. Aug 2026, 17:04 Ich denke, wir haben es hier mit einer Diskussion zu tun, die sich auf unterschiedlichen Ebenen bewegt:

„Kränkung“ ist ein in der abendländischen Geistesgeschichte etablierter Topos, der die Illusion eines sich als
zentristisch, autonom, selbstmächtig, definierenden Subjekts, Geistes, Bewußtseins erschüttert.

Nach den drei kurz skizzierten historischen Demütigungen des Subjekts (Kopernikanische Wende, darwinistische Abstammungslehre, Freudsche Psychoanalyse, nach der das Ich nicht Herr im eigenen Hause, sondern abhängig ist von Impulsen seines Unbewußten), faßt Safranski (nicht unüblicherweise) das kritisch betrachtete Potential der KI zur „vierten Kränkung“ zusammen, indem das denkende Subjekt aus seiner sich selbst zugeschriebenen autonomen/monopolistischen Geistesstellung herausgerückt wird.

Genaugenommen müßte man, einer gängigen Diskussion und „Zählweise“ folgend, sogar von einer „fünften Kränkung“ sprechen, indem den Erkenntnissen aus strukturalistischen Ansätzen Rechnung getragen wird, die auf die Formung das menschlichen Denkens und Handelns durch übermächtige Strukturen (Sprachsysteme (z.B. syntaktische Tiefenstrukturen), Symbole, Macht, Verhältnisse) wesentlich einwirken, so daß das Subjekt als Stifter allen Sinns oder von der Einheit des Wahren, Guten und Schönen analytisch nicht mehr haltbar ist.

Klassisch geradezu hier der häufig zitierte Schlußsatz Foucaults („Die Ordnung der Dinge“), der das Ende des traditionellen Menschenbildes eines autonomen Individuums in ein Bild faßt:
„Der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“.
Die Idee der „Kränkung“ bedeutet doch meines Erachtens, dass der Mensch ein Stück seines alten Selbstbildes verliert, weil etwas Neues zeigt, dass er weniger besonders ist, als er dachte. Die klassischen Kränkungen (Kopernikus, Darwin, Freud) erschüttern jeweils eine empirisch oder theoretisch begründete Annahme über den Menschen. Die KI hingegen erschüttert keine anthropologische Grundannahme, sondern lediglich die Überdehnung eines Denkbegriffs, der Performanz und Bewusstsein verwechselt. Damit KI den Menschen kränken könnte, müsste sie wirklich denken, also ein eigenes Bewusstsein haben, Absichten verfolgen und sich selbst verstehen. Das tut sie nicht, zumindest noch nicht. KI arbeitet nur mit Mustern und Wahrscheinlichkeiten, die Menschen vorgeben.
Deshalb ist die klassische „Kränkung durch KI“ meines Erachtens wissenschaftlich nicht haltbar. Sie ist keine Konkurrenz zum menschlichen Denken, sondern eine technische Simulation bestimmter geistiger Leistungen. Sie zeigt nicht, dass Maschinen denken können, sondern dass manche Aufgaben, die wir früher für „Denken“ hielten, auch ohne echtes Denken lösbar sind.
Wir müssten eigentlich den Begriff Denken präzisieren denn was wir bis dato als geistige Leistung betrachtet haben, ist in Wahrheit in Teilen regelhaft und wiederholbar. Das ist aber keine Kränkung, sondern eine Korrektur eines zu großen Denkbegriffs, meines Erachtens.

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Re: Buchempfehlungen

#64 Beitrag von Schwejk » Fr 21. Aug 2026, 23:59

Theo schrieb:
Die Idee der „Kränkung“ bedeutet doch meines Erachtens, dass der Mensch ein Stück seines alten Selbstbildes verliert, weil etwas Neues zeigt, dass er weniger besonders ist, als er dachte. Die klassischen Kränkungen (Kopernikus, Darwin, Freud) erschüttern jeweils eine empirisch oder theoretisch begründete Annahme über den Menschen.
--> Worin siehst du hier einen Widerspruch oder eine Ergänzung zu dem oben von mir Dargebotenen?
Die KI hingegen erschüttert keine anthropologische Grundannahme, sondern lediglich die Überdehnung eines Denkbegriffs, der Performanz und Bewusstsein verwechselt. Damit KI den Menschen kränken könnte, müsste sie wirklich denken, also ein eigenes Bewusstsein haben, Absichten verfolgen und sich selbst verstehen. Das tut sie nicht, zumindest noch nicht. KI arbeitet nur mit Mustern und Wahrscheinlichkeiten, die Menschen vorgeben.
Deshalb ist die klassische „Kränkung durch KI“ meines Erachtens wissenschaftlich nicht haltbar. Sie ist keine Konkurrenz zum menschlichen Denken, sondern eine technische Simulation bestimmter geistiger Leistungen. Sie zeigt nicht, dass Maschinen denken können, sondern dass manche Aufgaben, die wir früher für „Denken“ hielten, auch ohne echtes Denken lösbar sind.
Wir müssten eigentlich den Begriff Denken präzisieren denn was wir bis dato als geistige Leistung betrachtet haben, ist in Wahrheit in Teilen regelhaft und wiederholbar. Das ist aber keine Kränkung, sondern eine Korrektur*) eines zu großen Denkbegriffs, meines Erachtens.
Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei darauf hingewiesen, daß es sich bei dem geisteswissenschaftlichen Auslegungs- bzw. Deutungsmodell einer vier- oder fünffachen Kränkung des Subjekts um ein Konstrukt handelt, das sich dem Zugriff durch die Verfahrensrationalität eines technisch-naturwissenschaftlichen Analyseapparats entzieht. Denn wie bereits angedeutet („verschiedene Theorieebenen“), haben wir es hier mit zwei verschiedenen, gar gegensätzlichen Hermeuntiken der Erkenntnis zu tun – vereinfacht: „(geisteswissenschaftliches) Verstehen vs. (naturwissenschaftliches) Erklären“ (Dilthey).

Aus eigener (noch nicht getätigter) Lektüre kann ich natürlich nicht darlegen, wie Safranski den in der geisteswissenschaftlichen Diskussion durchaus geläufigen Topos „vierte Kränkung durch KI“ aufgreift und mit welchen Thesen und Gedankengängen er seinen Ansatz entwickelt und darbietet. Dienlich möge hier bei Interesse daher eine KI-Abfrage sein. ;)

Wohl aber spricht -jenseits einer Safranski-Lektüre – vieles für die Aufrechterhaltung der These einer vierten Kränkung/Demütigung des Subjekts durch die KI. Denn einige Denkfiguren, die den etablierten Thesen der „drei Kränkungen“ bereits Plausibilitätskraft verliehen, können auch für die „vierte Kränkung“ in spezifisch neuer und in ergänzender Erscheinungsform in Anspruch genommen werden, um nur diese Aspekte anzuführen:
  • Kognitive Dezentrierung: Maschinen lösen komplexe intellektuelle und sprachliche Aufgaben schneller und oft besser als der Mensch.
  • Relativierung der Monopolstellung des Geistes: Der Stolz, über das exklusive Instrument des rationalen Denkens zu verfügen, wird durch Algorithmen beschädigt.
  • Simulation von Gefühlen: Chatbots und KIs imitieren Empathie und soziale Interaktion, somit ein weiterer Verlust eines Alleinstellungsmerkmals.
  • Entmachtung des Subjekts: Der Mensch kann digital nicht mehr sicher zwischen echter und künstlicher Identität unterscheiden mit der Folge von Verunsicherung, Abbau der Selbstgewißheit.
Es dürfte einsichtig sein, daß, um von „narzißtischen Kränkungen des Subjekts“ zu sprechen, es nicht darum geht, ob sich konkrete Individuen tatsächlich gedemütigt fühlen, sondern es sollte klar geworden sein, daß es sich um kulturwissenschaftlich-hermeneutische Denkbilder handelt, denen mit einer technisch-naturwissenschaftlichen Analysetechnik nicht beizukommen ist. Kurz: Hier interagieren zwei Hermeneutiken miteinander, die notwendigerweise aneinander vorbeireden müssen.

*) Und BTW: Auch eine "Korrektur" ist befähigt, eine Kränkung/Demütigung zu erzeugen, etwa wie der Paradigmenwechsel vom ptolemäischen (geozentrischen) zum kopernikanischen (heliozentrischen) Weltbild ("Erste Kränkung").
Zuletzt geändert von Schwejk am Sa 22. Aug 2026, 03:34, insgesamt 1-mal geändert.
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#65 Beitrag von Preusse76 » Sa 22. Aug 2026, 01:26

Ich glaube auch nicht, dass zu Zeiten von Kopernikus, Darwin oder Freud jeder einzlne Mensch auf dem Planeten eine Kränkung ermpfunden hat. Ich würde mich da auch nicht lange an dem Begfriff 'Kränkung' abarbeiten. Tatsache ist, dass die genannten Drei Einsichten geliefert haben, die das allgemein gültige Bild der Welt verändert haben.

Die KI Entwickler arbeiten an einer allgemeinen künstlichen Intelligenz, die in ihren geistigen Fähigkeiten wirklich jedem beliebigen Menschen überlegen ist. Wenn das tatsächlich gelingt, würde es meiner Meinung nach das gegenwärtige Weltbild mindestens ankratzen. (Man kann natürlich sagen, dass es sich dabei trotz allem lediglich um seelenlose Algorithmen handelt, die Dutzende spezialisierte KI Systeme zusammenfügen. Aber spielt das an dem Punkt wirklich noch eine Rolle?)
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#66 Beitrag von Schwejk » Sa 22. Aug 2026, 04:28

Preusse76 hat geschrieben: Sa 22. Aug 2026, 01:26 Ich glaube auch nicht, dass zu Zeiten von Kopernikus, Darwin oder Freud jeder einzlne Mensch auf dem Planeten eine Kränkung ermpfunden hat. Ich würde mich da auch nicht lange an dem Begfriff 'Kränkung' abarbeiten. Tatsache ist, dass die genannten Drei Einsichten geliefert haben, die das allgemein gültige Bild der Welt verändert haben.

Die KI Entwickler arbeiten an einer allgemeinen künstlichen Intelligenz, die in ihren geistigen Fähigkeiten wirklich jedem beliebigen Menschen überlegen ist. Wenn das tatsächlich gelingt, würde es meiner Meinung nach das gegenwärtige Weltbild mindestens ankratzen. (Man kann natürlich sagen, dass es sich dabei trotz allem lediglich um seelenlose Algorithmen handelt, die Dutzende spezialisierte KI Systeme zusammenfügen. Aber spielt das an dem Punkt wirklich noch eine Rolle?)
Genau mit jeder dieser epochalen Neujustierungen des allgemeinen Weltbildes geht einher die Neubewertung des ihm zuzuordnenden Menschenbildes, deren Ergebnis als Verlust der zentralen „Stellung des Menschen im Kosmos“ (Scheler), d.h. als Einschränkung seiner zuvor beanspruchten Autonomie zu Buche schlägt.

Offensichtlich ein abendländisches Denkbild, das nicht irgendwelcher Falsifikationskriterien einer instrumentellen Vernunft bedarf, die dieses geistesgeschichtliche Konstrukt womöglich als bloßes Glasperlenspiel in einem Wolkenkuckucksheim deutet, etwa vergleichbar mit einer Diskussion um das Geschlecht der Engel oder als Lösungsansatz zur Beantwortung der drängenden Frage: „Wie viele Engel finden Platz auf einer Nadelspitze?“ ;)
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Re: Buchempfehlungen

#67 Beitrag von Theo » Sa 22. Aug 2026, 07:59

Schwejk hat geschrieben: Fr 21. Aug 2026, 23:59
Theo schrieb:
Die Idee der „Kränkung“ bedeutet doch meines Erachtens, dass der Mensch ein Stück seines alten Selbstbildes verliert, weil etwas Neues zeigt, dass er weniger besonders ist, als er dachte. Die klassischen Kränkungen (Kopernikus, Darwin, Freud) erschüttern jeweils eine empirisch oder theoretisch begründete Annahme über den Menschen.
--> Worin siehst du hier einen Widerspruch oder eine Ergänzung zu dem oben von mir Dargebotenen?
Die KI hingegen erschüttert keine anthropologische Grundannahme, sondern lediglich die Überdehnung eines Denkbegriffs, der Performanz und Bewusstsein verwechselt. Damit KI den Menschen kränken könnte, müsste sie wirklich denken, also ein eigenes Bewusstsein haben, Absichten verfolgen und sich selbst verstehen. Das tut sie nicht, zumindest noch nicht. KI arbeitet nur mit Mustern und Wahrscheinlichkeiten, die Menschen vorgeben.
Deshalb ist die klassische „Kränkung durch KI“ meines Erachtens wissenschaftlich nicht haltbar. Sie ist keine Konkurrenz zum menschlichen Denken, sondern eine technische Simulation bestimmter geistiger Leistungen. Sie zeigt nicht, dass Maschinen denken können, sondern dass manche Aufgaben, die wir früher für „Denken“ hielten, auch ohne echtes Denken lösbar sind.
Wir müssten eigentlich den Begriff Denken präzisieren denn was wir bis dato als geistige Leistung betrachtet haben, ist in Wahrheit in Teilen regelhaft und wiederholbar. Das ist aber keine Kränkung, sondern eine Korrektur*) eines zu großen Denkbegriffs, meines Erachtens.
Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei darauf hingewiesen, daß es sich bei dem geisteswissenschaftlichen Auslegungs- bzw. Deutungsmodell einer vier- oder fünffachen Kränkung des Subjekts um ein Konstrukt handelt, das sich dem Zugriff durch die Verfahrensrationalität eines technisch-naturwissenschaftlichen Analyseapparats entzieht. Denn wie bereits angedeutet („verschiedene Theorieebenen“), haben wir es hier mit zwei verschiedenen, gar gegensätzlichen Hermeuntiken der Erkenntnis zu tun – vereinfacht: „(geisteswissenschaftliches) Verstehen vs. (naturwissenschaftliches) Erklären“ (Dilthey).

Aus eigener (noch nicht getätigter) Lektüre kann ich natürlich nicht darlegen, wie Safranski den in der geisteswissenschaftlichen Diskussion durchaus geläufigen Topos „vierte Kränkung durch KI“ aufgreift und mit welchen Thesen und Gedankengängen er seinen Ansatz entwickelt und darbietet. Dienlich möge hier bei Interesse daher eine KI-Abfrage sein. ;)

Wohl aber spricht -jenseits einer Safranski-Lektüre – vieles für die Aufrechterhaltung der These einer vierten Kränkung/Demütigung des Subjekts durch die KI. Denn einige Denkfiguren, die den etablierten Thesen der „drei Kränkungen“ bereits Plausibilitätskraft verliehen, können auch für die „vierte Kränkung“ in spezifisch neuer und in ergänzender Erscheinungsform in Anspruch genommen werden, um nur diese Aspekte anzuführen:
  • Kognitive Dezentrierung: Maschinen lösen komplexe intellektuelle und sprachliche Aufgaben schneller und oft besser als der Mensch.
  • Relativierung der Monopolstellung des Geistes: Der Stolz, über das exklusive Instrument des rationalen Denkens zu verfügen, wird durch Algorithmen beschädigt.
  • Simulation von Gefühlen: Chatbots und KIs imitieren Empathie und soziale Interaktion, somit ein weiterer Verlust eines Alleinstellungsmerkmals.
  • Entmachtung des Subjekts: Der Mensch kann digital nicht mehr sicher zwischen echter und künstlicher Identität unterscheiden mit der Folge von Verunsicherung, Abbau der Selbstgewißheit.
Es dürfte einsichtig sein, daß, um von „narzißtischen Kränkungen des Subjekts“ zu sprechen, es nicht darum geht, ob sich konkrete Individuen tatsächlich gedemütigt fühlen, sondern es sollte klar geworden sein, daß es sich um kulturwissenschaftlich-hermeneutische Denkbilder handelt, denen mit einer technisch-naturwissenschaftlichen Analysetechnik nicht beizukommen ist. Kurz: Hier interagieren zwei Hermeneutiken miteinander, die notwendigerweise aneinander vorbeireden müssen.

*) Und BTW: Auch eine "Korrektur" ist befähigt, eine Kränkung/Demütigung zu erzeugen, etwa wie der Paradigmenwechsel vom ptolemäischen (geozentrischen) zum kopernikanischen (heliozentrischen) Weltbild ("Erste Kränkung").
Danke dir für deine Gedanken. Ich merke, dass wir das Thema auf ganz verschiedene Arten angehen, und das ist völlig okay.
Für mich ist das Thema damit gut umrissen, und ich möchte die Diskussion an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Wir kommen hier nicht zu einer gemeinsamen Grundlage, und das ist völlig in Ordnung. Ich steige deshalb aus der Debatte aus, danke dir trotzdem für den Austausch.
Der kurze Diskurs hat aber meine Neugier geweckt. Wenn der Schreibstil nicht zu akademisch ist, werde ich mir das Buch vielleicht sogar kaufen und lesen. ;)

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