Quo vadis BVB?

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Theo
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Re: Quo vadis BVB?

#4161 Beitrag von Theo » Mo 8. Jun 2026, 15:01

Ignazius5 hat geschrieben: So 7. Jun 2026, 21:38 Ach, Hr. Cramer Wohlstand hat nicht nur was mit längeren Arbeitszeiten zu tun. Ich weiß nicht so genau, ob Gesellschaften mit 12 oder 16 Stunden Tag deutlich wohlhabender waren oder sind. Und Arbeit ist auch nicht gleich Arbeit. Wenn eine Putzfrau eine halbe oder ganze Stunde länger arbeitet, ist sie damit nicht wohlhabender. Auch die Gesellschaft ist damit nicht wohlhabender. Sie arbeitet dann einfach nur eine halbe oder ganze Stunde länger.

Gleiches gilt auch für die asiatische Näherin, die im Akkord bei schlechten Arbeitsbedingungen 12 Stunden und länger in den entsprechenden Fabriken arbeitet. Die wird nicht wohlhabender, nur weil sie auf 14 oder 16 Stunden Arbeitszeit hoch geht. Sie arbeitet dann nur statt 12 Stunden eben 14 oder 16 Stunden.

Die Putzfrau oder Näherin ist auch nicht "fauler", wenn sie die Sunde oder Stunden nicht dranhängt. Die Gesellschaft ist damit auch nicht ärmer. Man könnte ja fast sagen, stellt weitere Person ein und senkt die Arbeitszeiten bei beiden mit vollem Lohnausgleich. Aber dann ist Arbeit ja zu teuer!

Was auch der eigentliche Grund für den Vergleich mit Asien ist. Und darum dreht sich die Diskussion!

Um mehr Arbeit im allgemeinen Sinn bei gleichem Lohn. Nicht zwanghaft mehr Wohlstand. (für wen?) Mehr Arbeit mit möglichst keiner Lohnanpassung und ohne Nörgelei. ;) (Lohn Preisspirale bei spürbar einsetzender Inflation, Nullrunden bei Tarifverhandlungen/ Lohnzurückhaltung.)

Polizei, Medizin, Teile der Wirtschaft/ Handwerk, Transportwesen: Unendliche Überstunden. Die sind dadurch aber nicht wohlhabender. Und mit Arbeitszeitverlängerung wird es auch schwierig, obwohl die im Zweifel sogar einer Leidenschaft oder Berufung folgen. (medizinischer Bereich, Handwerk, Transport) Das mit dem Absetzen der Überstunden funktioniert dann auch nicht so recht und kommt eigentlich immer unpassend. Ebenso wie Lohnforderungen. (Zurückhaltung)

Wenn Karsten mehr arbeitet, weil er in seiner Arbeit Befriedigung findet, er mehr leisten will, steigt damit doch nicht sein Wohlstand. Zumindest nicht signifikant sein persönlich, materieller Wohlstand. Und den Grad erfahrener Befriedigung in seiner Arbeit kann man nicht eins zu eins auf die gesamte Arbeitswelt übertragen. Auch nicht im materiellen oder monetären Bereich. Auch wenn sein Einsatz aller Ehren wert ist.

Aber das sind zwei völlig verschiedene und auch mit Absicht getrennte Welten. Das muss man auch trennen. Die Problemstellung ist der demografische Wandel. Aber das wird man nicht zwanghaft oder einseitig mit mehr oder längerer Arbeitszeiten bewältigen. Auch nicht einseitig auf dem Aktienmarkt, was global im Grunde nur Lohnzurückhaltung bedeutet.

Gruß Ignazius
Grundsätzlich kann mehr Arbeit durchaus zu mehr Wohlstand beitragen, insbesondere wenn die Produktivität steigt. Dennoch halte ich es für zu einfach zu sagen, dass es uns allen automatisch besser geht, wenn jeder nur eine halbe Stunde länger arbeitet, dafür ist der Zusammenhang dann doch zu komplex.
Mehr Überstunden, insbesondere bei Dienstleistern, bringen oft nur begrenzten Nutzen. In vielen Bereichen steigt die Leistung nicht proportional mit den Arbeitsstunden, im Gegenteil, durch Müdigkeit und mangelnde Konzentration steigt die Fehlerquote und die Effizienz sinkt ebenfalls, sodass der Effekt teilweise wieder aufgehoben wird. Entscheidend ist daher nicht primär die Dauer der Arbeit, sondern wie produktiv und effizient gearbeitet wird.

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